Zwischen Kehrwoche und Wäsche waschen, zwischen Einkaufen und Kochen, zwischen Kinder in die Schule schicken und Hausaufgabenbetreuung habe ich das dringende Bedürfnis hier meinem Ärger Luft zu machen.
Als brave "nur"-Hausfrau und Mutter gehe ich vormittags einkaufen. Somit mache ich die Schlangen vor den Kassen zu Zeiten, wenn die berufstätigen und bezahlten Menschen einkaufen gehen, nicht noch länger. Und da ich versuche meine Arbeit ergonomisch einzuteilen, kaufe ich nicht unbedingt jeden Tag ein, dafür wird es gerne mal etwas mehr. So auch heute morgen um 8 Uhr 30. Das Band war vielleicht so befüllt, dass das Scannen ca. eine Minute gedauert hat. Da ich meine Sachen immer gleich parallel wieder zurück in den Einkaufswagen lege und erst später richtig verstaue, dauert das Kassieren wirklich nur maximal eine Minute länger, als wie wenn ich nur ein oder zwei Produkte kaufe.
Aber eigentlich ist das nebensächlich, ob es eine Minute dauert oder fünf.
Wenn ich hinter mir jemanden sehe, der wirklich wenig im Einkaufskorb hat, dann lasse ich den natürlich gerne vor, vor allem, wenn dieser NICHT frägt um vorgelassen zu werden. Wenn EINER darum bittet vorgelassen zu werden, weil ich es nicht sehe oder so, gerne auch.
Heute haben drei Leute gefragt, drei Männer unabhängig voneinander. Gekauft hat der eine ein Päckchen Zigaretten, der andere eine Flasche Cola, der dritte eine Zeitung. Sachen von denen ich vermute, dass diese für die Frühstückspause gekauft werden. Als der vierte Mann mit ähnlichen Sachen gefragt hat, hatte ich aber wirklich genug. Irgendwann will ich ja auch mal dran kommen. So hab ich das auch gesagt. Antwortet mir dieser "Herr" doch tatsächlich, "manche Leute müssen halt arbeiten"! Bitte? geht es noch? Dann soll er doch auch bitte arbeiten und die Sachen vor anstatt in seiner Arbeitszeit kaufen! Ich arbeite ja schließlich auch, und das sicher nicht weniger hart als er. Leider bekomme ich halt kein Geld dafür!
Ich habe das Gefühl ich gehöre einer aussterbenden Generation an, da ich seit der Geburt meiner Kinder kein Geld mehr verdient habe. Ich sage nicht "nicht mehr gearbeitet" habe, denn das stimmt einfach nicht. Irgendwie geht so gut wie jede Mutter spätestens ab dem Kindergarteneintrittsalter wenigstens stundenweise einer bezahlten Tätigkeit nach. Wohlgemerkt rede ich jetzt nicht von den Eltern, wo es aus finanziellen Gründen absolut notwendig ist.
Ich habe mich bewusst dafür entschieden daheim zu bleiben, wohlweislich, dass es da kein Geld gibt, kein Urlaub, kein Feierabend, keine Krankentage, keinerlei Vorzüge dieser Art. Dafür stehe ich jeden Tag um 5 Uhr auf (wenn es Euch interessiert warum, dann fragt. Ansonsten würde das hier den Rahmen sprengen und gehört auch nicht zum Thema)! Von den Arbeiten, die in einem Haushalt anfallen, brauche ich nichts erzählen, das weiß jeder selber. Dann stelle ich wirklich ungern Marinas Down Syndrom in den Mittelpunkt und will auch keinen Behindertenbonus. Aber es ist nunmal Fakt, es ist ein Mehraufwand (Beispiele gerne auf Nachfrage, da anderes Thema). Ich mache aber alles gerne und würde mit niemanden tauschen wollen.
Abgesehen davon, dass ich gerne "nur" Hausfrau und Mutter bin, finde ich es auch wichtig zu hause zu sein, wenn die Kinder von der Schule kommen. Wenn Benni heimkommt, dann fängt er schon noch unten im Treppenhaus an zu erzählen, was ihn bewegt. Das muss dann sofort raus, nicht erst nach einer Stunde oder so. Weil dann ist es schon "weg", verdrängt. Woher ich das weiß? Manchmal kann ich nicht da sein, wenn Benni heim kommt, weil ich schon mit Marina in irgendeine Therapie muss. Ich versuche natürlich die Termine so zu legen, dass sich nichts überschneidet, kann es aber nicht immer vermeiden. An solche Tagen erfahre ich nichts aus der Schule!
Ich weiß, ich habe es gut, dass ich da sein kann. So manch eine Familie hat keine Wahl. Da will ich auch niemandem was ankreiden. Aber ich habe die Wahl und mich entschieden. Ich wünsche mir nur etwas mehr Toleranz und Respekt gegenüber den Hausfrauen. Auch wir leisten eine wichtige Arbeit und sind nicht weniger wert, als dieMütter, die zwischen Haushalt und Arbeit hin und her pendeln.
So, jetzt geht es mir besser! Jetzt werde ich mir erst noch einmal diesen Beitrag zu Gemüte führen. In Momenten wie diesen brauche ich das. Und den nächsten Mann, der wegen einer Packung Zigaretten vorgelassen werden will, den werde ich mir genau angucken ;-)
Vor 7 Stunden



















